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Metal Gear Solid 4: Guns Of The Patriots

» Autor: Georg Gruber
» Datum: 22.06.2008
» Gesamtwertung:
/5
5/5: Pflichtkauf
uneingeschränkte Empfehlung.
Wie wir bewerten
Hideo Kojima weiß was den Fans gefällt und liefert das bislang umfangreichste Metal Gear Solid ab.

War has changed
Mit Metal Gear Solid 4 erscheint der wohl heiß ersehnteste 2008er-Titel für die PS3. Nachdem Konami den Release mehrfach nach hinten verschoben hat, dürfen die Fans nun endlich Solid Snake in feinster HD-Auflösung bewundern. Laut Produzent Hideo Kojima klärt der vierte Teil viele offene Fragen der mitunter extrem vielschichtigen und teils höchst undurchschaubaren Story. Da die Metal Gear-Reihe bereits mehr als 20 Jahre Erfolge feiert, ist dies wohl auch kein leichtes Unterfangen. Die Handlung von Guns of the Patriots (Details zum gelungenen Online-Auftritt, siehe unser Review zu Metal Gear Online) knüpft sechs Jahre nach dem Ende von MGS2 an und getreu dem Motto "war has changed" hat sich viel erreignet.

Im Jahre 2014 vollzog die moderne Kriegsführung eine grundlegende Änderung. Nicht mehr staatliche Streitkräfte sondern Private Military Contractors übernehmen zusehends die Kontrolle über das Schlachtfeld. Durch ein perverses System wird die Kriegsführung wie ein Wirtschaftszweig betrachtet: Geld regiert endgültig die Welt. Alle Söldner haben Nanomaschinen im Blut, die diese nicht nur ständig aufputschen, sondern auch unzählige Daten an die Kriegsherren zurück liefern. Fast alle Waffen sind durch Codes geschützt und funktionieren nur, wenn man auch die notwendige Berechtigung besitzt. Kurz, die Kriegsökonomie ist ein Tummelplatz für Waffenhändler und gewissenlose Abkassierer geworden.

Old Snake is not an oldtimer
Der Zahn der Zeit hat besonders hart an Old Snake genagt, denn aufgrund einer genetischen Programmierung altert er viel zu schnell und hat nur mehr eine kurze Lebenserwartung. Dennoch zieht er
» Hideo Kojima über MGS4: Es ist ein Versteckspiel.
noch ein letztes Mal in die Schlacht. Typisch für die Reihe ist der extrem hohe Qualitätsstandard. Die Cutscenes, die fast komplett in-game gerendert sind, gehören zum Besten und Schönsten, was man je auf einer Konsole gesehen hat. Ein weiteres Markenzeichen neben den (zum Glück pausier- und unterbrechbar) Zwischensequenzen sind die Detailverliebtheit und der Hang zu absurd-witzigen Wendungen. Die Story überzeugt erneut dank vieler Anspielungen sowie Insider-Jokes. Wer frühere MGS-Titel kennt, kommt oftmals aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus, wenn altbekannte Charaktere auftauchen.

Während die Handlung immer noch in sehr umfangreichen Cutscenes voran getrieben wird, hat man bei Konami jedoch nicht auf ein Update des Gameplays vergessen. Es stehen verschiedene Schwierigkeitsgrade zur Auswahl und je nach eigenem Geschick dauert das Abenteuer zwischen 20 und 30 Stunden, wobei circa die Hälfte der Zeit auf Zwischensequenzen entfällt. Es gibt fünf Akte, die jeweils im großen Bossfight münden. Die Szenarien reichen vom Nahen Osten über südamerikanischen Dschungel bis hin zu verlassenen Militärbasen und bieten ein sehr abwechslungsreiches Ambiente. Der gemeinsame Nenner ist das Stealth-Gameplay, welches sich durch alle Bereiche zieht. Metal Gear Solid 4 überlässt dem Spieler aber jederzeit die Entscheidung, ob man sich durch einen Abschnitt ballern oder sich mit Köpfchen am Gegner vorbei schleichen möchte.

Army of one
Aus dem dritten Ableger wurde das Nahkampfsystem übernommen und ausgebaut: Zusammen mit der Betäubungspistole ist es erneut möglich das gesamte Spiel ohne Tote durch zu stehen.
» Snake trifft zahlreiche alte Bekannte.
Neu mit von der Partie: Der OctoCamo-Tarnanzug, der sich chamäleon-artig an die Farbe und Textur der Umgebung anpasst. Auch die teils umfangreichen Menüwege wurden überarbeitet. Items und Waffen wählt man direkt über die L2/R2-Tasten, wobei die Belegungen der Slots im Menü individuell anpassbar sind. Was auf den ersten Blick umständlich wirkt, stellt sich auf lange Sicht hingegen als sehr clevere Idee heraus. Snake steht abermals eine riesige Anzahl an Ausrüstungsgegenständen, Gadgets und Bewaffnung zur Verfügung. Besonders erwähnenswert ist z.B. der iPod, mit dem im Spiel versteckte MP3-Files und Podcasts abspielbar sind.

Etwas gewöhnungsbedürftig sind die neuen Psyche- und Stress-Anzeigen, die nicht ganz durchdacht wirken. Bei gefülltem Psyche-Balken regeneriert sich Snake schneller von erlittenen Verletzungen, was bei Bossfights sehr praktisch sein kann, wenn man nur wenig Lebensenergie hat. Die Stress-Anzeige ist dagegen eine simple Zahl, die ungenauer zielen lässt. Leider bleibt es sehr undurchsichtig, was diese Parameter beeinflusst. Witzige Hilfsmittel wie z.B. eine Psyche-beruhigende Zigarette zu rauchen oder ein Herrenmagazin durchzublättern um Stress abzubauen sind aber erneut vorhanden. Selbst bestimmte MP3-Files können Auswirkungen auf das Spielgeschehen haben. Zu entdecken gibt es also genug, was den Wiederspielwert ungemein erhöht.

Gadgets and battlefield tactics
Der Technik- und Gadgetsexperte Otacon stellt Snake im Kampfgeschehen einen kleinen ferngesteuerten Erkundungsroboter zur Verfügung, mit dem unbekanntes Terrain erforscht werden darf.
» Old Snake is still solid!
Anstatt des Radars gibt es nun das Solid Eye, welches via HUD die Präsenz von Freunden/Gegnern sowie Objekten visualiert und als Fernrohr/Nachtsichtgerät fungiert. Dies ist besonders wichtig, da Snake im ganz großen Unterschied zu früheren MGS-Titeln nicht mehr alleine im Kampfgeschehen steht. Es gibt einerseits gegnerische Truppen, die, wenn sie Snake orten, sofort angreifen. Auf der anderen Seite stehen aber Milizkämpfer, die den Protagonisten in Ruhe operieren lassen, solange man sie nicht unter Beschuss nimmt.

Obwohl die verschiedenen Abschnitte auf den ersten Blick großflächig wirken, gibt es viele Absperrungen und Einschränkungen, die Metal Gear Solid 4 linearer machen, als zuerst angenommen. Wer sich jedoch Zeit nimmt, um die Umgebung genau zu erforschen, wird zumindest zwei oder drei verschiedene Lösungswege finden. Meistens kann man die Gegner komplett umgehen bzw. an ihnen unbemerkt vorbei schleichen. Auch die Situation im Kampfgeschehen ist zum eigenen Vorteil nutzbar: Wenn z.B. die Milizeinheiten vorrücken, damit sie die Aufmerksamkeit der Gegner auf sich ziehen, dann ergeben sich so neue Möglichkeiten zum Vorstoß.

Drebin is the lord of war
Kurz nach Spielbeginn bekommt man es mit dem undurchsichtigen Waffenhändler Drebin zu tun, der im mobilen HQ jederzeit für einen Deal mit Munition und Waffen gut ist. Im Spiel gefundene oder
» Weltrekordverdächtige 43200+ Sekunden Cutscenes.
von Gegner erbeutete Ausrüstung kann zur In-Game-Währung Drebin Points umgewandelt und im Shop erneut für Einkäufe genutzt werden. Dadurch verändert sich das Gameplay von Metal Gear Solid 4 grundlegend: Während früher oft Munitionsknappheit herrschte, spaziert man nun jederzeit gemütlich ins Pause-Menü und kauft neue Gadgets, die sogleich zur Verfügung stehen.

In Sachen Präsentation legt Guns of the Patriots die Latte hoch: Grafisch überzeugen gestochen scharfe Texturen, verspielte Details und die - dank Motion Capturing - hervorragenden Animationen suchen ihresgleichen. Auch die Ladezeiten bleiben erfreulich kurz, jedoch sind vor jedem Akt separate Installationen auf die HDD erforderlich, welche ärgerlicherweise auch beim erneuten Durchspielen (oder Laden von Spielständen) wiederholt werden muss. Musikalisch sorgt Komponist Harry Gregson-Williams abermals für einen erstklassigen Soundtrack. Auch beim polierten Sounddesign (3D-Raumklang etc.) waren einmal mehr echte Experten am Werk. Schade, dass es keine Boss Rush- und Theater-Modes gibt, denn sonsten gehört Metal Gear Solid 4 zu den umfangreichsten PS3-Titeln inkl. gelungenem Online-Auftritt (siehe unser Review zu Metal Gear Online).
Pro
Superbe Präsentation
Sensationelle Atmosphäre
Verbessertes Stealth-Gameplay
Extrem hoher Wiederspielwert
Tonnenweise abgefahrener Humor
Contra
Cutscene-Overkill
Inkonsistente Gegner-KI
Keine Boss Rush- oder Theater-Modes
Setzt Kenntnis der Reihe voraus
Fazit
Mit Metal Gear Solid 4 liefert Hideo Kojima abermals Tactical Espionage Action der Extraklasse ab. Die dichte Atmosphäre, geballte Ladung Stealth-Action und explosive Mischung aus Zeitgeist, cleverer Sozialkritik und doppelbödigem Humor machen den Konami-Titel zu einem der heißesten PlayStation 3-Releases des Jahres. Fans der Reihe dürfen sich auf ein wahres Feuerwerk der ganz großen Gefühle wie in der Achterbahn freuen. Trotz der exzellenten Prästentation und aller behutsamen Verbesserungen an Gameplay und Zugänglichkeit wird aber Kunden, die bislang einen Bogen um die Reihe gemacht haben, kaum neuer Kaufanreiz geboten. Totschlagargumente sind abermals die extrem langen (und vor allem für Neueinsteiger aufgrund von fehlendem Vorwissen nur schwer nachvollziehbaren) Cutscenes sowie das teils auftretende Trial-and-Error im Gameplay aufgrund von inkonsistenter Gegner-KI. Guns of the Patriots nicht zu mögen ist aber wie den Film "Blade Runner" nicht zu mögen, weil man die Handlung beim ersten Kinobesuch nicht verstanden hat - dank dem hohen Wiederspielwert lösen sich viele Fragezeichen der Story beim wiederholten Durchzocken aber auf. Metal Gear Solid 4: Guns of the Patriots sollte somit in keiner Spielesammlung fehlen und wäre eine vorzüglicher Grund, endlich eine PS3 zu kaufen.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
   Stealth
Publisher
Konami
Entwickler
Kojima Producti...
Website
www.konami.jp/m...
Release
13. Juni 2008
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