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Haze

» Autor: Stefan Lehmler
» Datum: 28.05.2008
» Gesamtwertung:
/5
3/5: Unterhaltsam
mit diversen Glanzpunkten.
Wie wir bewerten
Guter Ego-Shooter in hässlichem Technikgewand, der unter einigen Schwächen leidet.

Biene Maya im Ballerrausch
NECTAR, so heißt die Wunderdroge der Zukunft. Im Jahr 2024 stärkt diese nicht nur Kampfeswillen, Reaktionsvermögen, Wahrnehmung und Stärke von Soldaten, sondern macht sie praktischerweise auch noch zu willenlosen
» Mantel-Macht greift an.
Kampfmaschinen, die das Grauen des Krieges gar nicht richtig wahr nehmen. Shane Carpenter scheint allerdings nicht so richtig auf diese Art der neuen Soldatenmotivation anzuspringen und merkt langsam aber sicher, dass der befehlshabende Konzern Mantel nicht ganz dem Saubermann-Image entspricht, welches er nach draußen verkörpert.

Als Carpenter eines Tages durch ein Hubschrauberunglück südamerikanischen Rebellen in die Hände fällt, wird sein Weltbild komplett auf den Kopf gestellt. Die Mantel-Propaganda, welche die Dschungelbewohner als barbarische Wilde darstellte, entpuppt sich als Lüge und hinter dem Kampf gegen diese steckt eine ganz andere Motivation ... So bleibt Carpenter nur ein richtiger Entschluss: Die Südamerikaner zu unterstützen und Mantel kräftig in den Arsch zu treten.

Anti-Kriegs-Shooter?
Die Geschichte wird ausschließlich in dialoglastigen Ingame-Sequenzen direkt aus der Ich-Perspektive erzählt. Dabei erlebt der Spieler das Geschehen sowohl als Mantel-Soldat und, rund nach einem Drittel des Gesamtspiels,
» Keine Chance den Rebellen!
auf der Seite der Rebellen. Story und Zwischensequenzen hinterlassen dabei allerdings einen sehr zwiespältigen Gesamteindruck. Einerseits schaffen es die Entwickler zwar stellenweise eine dichte Atmosphäre aufzubauen und den Spieler tatsächlich über die Grausamkeit von Kriegen nachdenken zu lassen, andererseits ist die Geschichte an sich aber sehr flach und ohne echte Überraschungen. Auch wirken viele Szenen und Dialoge zu überdramatisiert, was vor allem an den übereifrigen Sprechern liegt.

Ein weiteres großes Problem in punkto Präsentation ist die insgesamt unterdurchschnittliche Optik. Zwar hat der Titel seine schicken Momente, läuft tadellos flüssig und verfügt in Außenarealen über eine enorme Sichtweite, allerdings ziehen die üblen Texturen und extrem kargen Innenlevels das Gesamtbild gnadenlos in den Keller. An einigen Stellen sieht der Titel wirklich aus wie ein Wii- oder PS2-Spiel. Hinzu kommen Bugs in der Physikengine, Kantenflimmern und flackernde Texturen sowie Schatten. Alles in allem sehr enttäuschend. Deutlich besser hingegen der Sound, welcher vor allem durch markige Waffensounds punkten kann.

Nectar vs. Guerilla-Taktiken
Das Gameplay der rund acht Stunden umfassenden Solo-Kampagne überzeugt. Wer auf geradlinige Ballerkost mit einigen coolen Ideen steht, kommt bei Haze auf seine Kosten. Zwar ist das Waffenrepertoire
» Der Vier-Spieler-Koop sorgt für gute Laune.
von der Pistole bis zum Raketenwerfer einfallslose Standardkost, allerdings sorgen einige coole Fähigkeiten auf Mantel- und Rebellenseite für spaßige Erlebnisse und viele Möglichkeiten. So können Mantel-Soldaten auf ihre Nectar-Reserven zurückgreifen, um ihre Nahkampfkraft, Laufgeschwindigkeit und Wahrnehmung zu verbessern. Dank optischem Zoom sind die Ziele darüber hinaus besser auszumachen.

Doch Vorsicht beim Einsatz der Droge: Zuviel Nectar im Blut lässt Soldaten durchdrehen, was sie kurzzeitig unkontrollierbar macht und wild um sich schießen lässt. Diese Schwachstelle wiederum kann von den Rebellen genutzt werden. Ein gezielter Schuss auf den Nectartank, Nectargranaten oder ein Hieb mit einem Nectar-Messer überlasten gegnerische Mantel-Soldaten und lassen diese ihre Verbündeten angreifen. Neben dem Ausnutzen dieser Schwachstellen können Rebellen Feinde im Nahkampf entwaffnen sowie Sprengfallen installieren. Auch das Vortäuschen des eigenen Todes wirkt gegen Mantel-Soldaten Wunder. Ladezeiten gibt es zwischen all diesen Aktionen übrigens nur nach dem Ableben – der Rest wird komplett gestreamt. Dies sollte man bei knapp fünf Gigabyte großer Zwangsinstallation angesichts der schwachen Grafikleistung aber auch erwarten dürfen.

Abwechslungsreiche Ballerkost
Ebenfalls gelungen zeigt sich das Leveldesign, welches abwechslungsreich ist. Diese Abwechslung ensteht nicht nur durch das Spielen als Mantel- und Rebellen-Soldat, sondern auch durch geschicktes Leveldesign. So
» So gut sieht das Spiel leider bei Weitem nicht aus.
kämpft man in Dschungelabschnitten, liefert sich wilde Feuergefechte in einer Schmelzanlage, erobert Basen am Strand, brettert mit einem Jeep durch gegnerische Absperrungen, entschärft Minenfelder, schaltet Feinde aus sicherer Entfernung mit einem Scharfschützengewehr aus, verteidigt eine Rebellenbasis oder nimmt hinter dem Bord-MG eines Hubschraubers Platz.

Die unterschiedlichen Umgebungen und Missionsziele halten gut bei der Stange und sorgen dafür, dass bis zum spaßigen Finale keine Langeweile aufkommt. Dabei ist der Titel dank sehr eingängiger und sauber funktionierender Steuerung stets gut bedienbar. Wer will darf sogar die vorkonfigurierten Tastenbelegungen beliebig ändern. Weniger gut hingegen die KI: Feinde stehen des Öfteren bewegungslos in der Gegend herum, während verbündete Streiter gerne in die eigene Schusslinie rennen.

Koop hui, Versus pfui
Noch mehr Spaß macht das Ganze, wenn man einen bis drei Freunde zur Hand hat. Diese können im Online-Koop-Modus einem laufenden Spiel stets beitreten – sofern dieses als Koop-Server gestartet wurde.
» Kampf im Dschungel.
Praktisch: Der Spieler darf beliebig zwischen Solo- und Koop-Spiel wechseln, ohne seine Savefiles zu verlieren. Alternativ darf der Titel auch im Splitscreen gezockt werden. Hier allerdings nur zu zweit.

Weniger prall sind hingegen die drei Versus-Modi ausgefallen. Von den Entwicklern der genialen TimeSplitters-Reihe erwartet man einfach mehr als mickrige drei Spielmodi, sechs Karten und wenige Konfigurationsmöglichkeiten. Im Deathmatch, Team-Deathmatch sowie Angriffs-Modus geben sich bis zu 16 Spielern als Mantel oder Rebellen gegenseitig auf die Mütze. Das Ganze macht zwar Spaß, sticht allerdings in keinster Weise aus der Masse an Shootern hervor. Die unterschiedlichen Fähigkeiten der beiden Seiten sorgen zwar auch hier für einige coole Effekte, sind insgesamt allerdings viel zu unausgeglichen, so dass jeder Spieler den Mantel-Soldaten den Vorrang geben wird.
Pro
Flottes, spaßiges Gameplay
Recht abwechslungsreich
Krachige Waffensounds und treibende Musik
Coole Spezialfähigkeiten auf beiden Seiten
Vier-Spieler-Koop
Gute Inszenierung ...
Contra
... die oft zu überdramatisiert ist
Insgesamt schwache Grafik
Langes Laden nach Ableben
Enttäuschende Versus-Onlinespiele
Flache Story
KI-Macken
Zwangsinstallation
Fazit
So viel Spaß ich mit Haze im Solo-Modus auch hatte, so sehr haben mich die Schwächen gestört. Vor allem die teils unterirdische Grafik sorgte für einige verstörenden Momente vor der PS3. Das hier Gebotene erinnert viel zu oft an die Vorgängerkonsole oder Nintendos Wii. Auch die im Vornherein so überschwänglich angekündigte Story entpuppte sich nur als laues Lüftchen, auch wenn sie dank einiger gelungener Zwischensequenzen ihre atmosphärischen Momente hat. Ebenfalls schade: Die Versus-Online-Modi sind nur durchschnittliche Standardkost. Doch zwischen diesem enttäuschenden Technikgewand, der 08/15-Mehrspieler-Komponente sowie der mageren Geschichte findet man eine gelungene Kampagne, die allen Fans flotter Actionspiele ohne hohe Grafikansprüche Spaß macht. Mit Maschinengewehr und Schrotflinte bewaffnet ballert man in abwechslungsreichen Levels und macht von einigen coolen Spezialfähigkeiten Gebrauch. Noch spaßiger wird das Ganze, wenn man zusammen mit ein bis drei Freunden in die Schlacht zieht. Alles in allem ist Free Radicals neuestes Werk zwar eine kleine Enttäuschung aber immer noch ein solides Actionspiel, das sich Fans des Genres einmal näher ansehen sollten.
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
   Ego-Shooter
Publisher
Ubisoft
Entwickler
Free Radical De...
Website
www.hazegame.co...
Release
23. Mai 2008
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User-Bewertung
65
2 Bewertungen
0 Reviews
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