Guter Ego-Shooter in hässlichem Technikgewand, der unter einigen Schwächen leidet.
Biene Maya im BallerrauschNECTAR, so heißt die Wunderdroge der Zukunft. Im Jahr 2024 stärkt diese nicht nur Kampfeswillen, Reaktionsvermögen, Wahrnehmung und Stärke von Soldaten, sondern macht sie praktischerweise auch noch zu willenlosen
» Mantel-Macht greift an. |
Kampfmaschinen, die das Grauen des Krieges gar nicht richtig wahr nehmen. Shane Carpenter scheint allerdings nicht so richtig auf diese Art der neuen Soldatenmotivation anzuspringen und merkt langsam aber sicher, dass der befehlshabende Konzern Mantel nicht ganz dem Saubermann-Image entspricht, welches er nach draußen verkörpert.
Als Carpenter eines Tages durch ein Hubschrauberunglück südamerikanischen Rebellen in die Hände fällt, wird sein Weltbild komplett auf den Kopf gestellt. Die Mantel-Propaganda, welche die Dschungelbewohner als barbarische Wilde darstellte, entpuppt sich als Lüge und hinter dem Kampf gegen diese steckt eine ganz andere Motivation ... So bleibt Carpenter nur ein richtiger Entschluss: Die Südamerikaner zu unterstützen und Mantel kräftig in den Arsch zu treten.
Anti-Kriegs-Shooter?Die Geschichte wird ausschließlich in dialoglastigen Ingame-Sequenzen direkt aus der Ich-Perspektive erzählt. Dabei erlebt der Spieler das Geschehen sowohl als Mantel-Soldat und, rund nach einem Drittel des Gesamtspiels,
» Keine Chance den Rebellen! |
auf der Seite der Rebellen. Story und Zwischensequenzen hinterlassen dabei allerdings einen sehr
zwiespältigen Gesamteindruck. Einerseits schaffen es die Entwickler zwar stellenweise eine dichte Atmosphäre aufzubauen und den Spieler tatsächlich über die Grausamkeit von Kriegen nachdenken zu lassen, andererseits ist die Geschichte an sich aber sehr flach und ohne echte Überraschungen. Auch wirken
viele Szenen und Dialoge zu überdramatisiert, was vor allem an den übereifrigen Sprechern liegt.
Ein weiteres großes Problem in punkto Präsentation ist die insgesamt
unterdurchschnittliche Optik. Zwar hat der Titel seine schicken Momente, läuft tadellos flüssig und verfügt in Außenarealen über eine enorme Sichtweite, allerdings ziehen die üblen Texturen und extrem kargen Innenlevels das Gesamtbild gnadenlos in den Keller. An einigen Stellen sieht der Titel wirklich aus wie ein Wii- oder PS2-Spiel. Hinzu kommen Bugs in der Physikengine, Kantenflimmern und flackernde Texturen sowie Schatten. Alles in allem sehr enttäuschend. Deutlich besser hingegen der Sound, welcher vor allem durch
markige Waffensounds punkten kann.
Nectar vs. Guerilla-TaktikenDas Gameplay der rund acht Stunden umfassenden Solo-Kampagne überzeugt. Wer auf
geradlinige Ballerkost mit einigen coolen Ideen steht, kommt bei
Haze auf seine Kosten. Zwar ist das Waffenrepertoire
» Der Vier-Spieler-Koop sorgt für gute Laune. |
von der Pistole bis zum Raketenwerfer einfallslose Standardkost, allerdings sorgen einige coole Fähigkeiten auf Mantel- und Rebellenseite für spaßige Erlebnisse und viele Möglichkeiten. So können Mantel-Soldaten auf ihre Nectar-Reserven zurückgreifen, um ihre Nahkampfkraft, Laufgeschwindigkeit und Wahrnehmung zu verbessern. Dank optischem Zoom sind die Ziele darüber hinaus besser auszumachen.
Doch Vorsicht beim Einsatz der Droge: Zuviel Nectar im Blut lässt Soldaten durchdrehen, was sie kurzzeitig unkontrollierbar macht und wild um sich schießen lässt.
Diese Schwachstelle wiederum kann von den Rebellen genutzt werden. Ein gezielter Schuss auf den Nectartank, Nectargranaten oder ein Hieb mit einem Nectar-Messer überlasten gegnerische Mantel-Soldaten und lassen diese ihre Verbündeten angreifen. Neben dem Ausnutzen dieser Schwachstellen können Rebellen Feinde im Nahkampf entwaffnen sowie Sprengfallen installieren. Auch das Vortäuschen des eigenen Todes wirkt gegen Mantel-Soldaten Wunder. Ladezeiten gibt es zwischen all diesen Aktionen übrigens nur nach dem Ableben – der Rest wird komplett gestreamt. Dies sollte man bei knapp fünf Gigabyte großer
Zwangsinstallation angesichts der schwachen Grafikleistung aber auch erwarten dürfen.
Abwechslungsreiche BallerkostEbenfalls gelungen zeigt sich das Leveldesign, welches abwechslungsreich ist. Diese Abwechslung ensteht nicht nur durch das Spielen als Mantel- und Rebellen-Soldat, sondern auch durch
geschicktes Leveldesign. So
» So gut sieht das Spiel leider bei Weitem nicht aus. |
kämpft man in Dschungelabschnitten, liefert sich wilde Feuergefechte in einer Schmelzanlage, erobert Basen am Strand, brettert mit einem Jeep durch gegnerische Absperrungen, entschärft Minenfelder, schaltet Feinde aus sicherer Entfernung mit einem Scharfschützengewehr aus, verteidigt eine Rebellenbasis oder nimmt hinter dem Bord-MG eines Hubschraubers Platz.
Die unterschiedlichen Umgebungen und Missionsziele halten gut bei der Stange und sorgen dafür, dass bis zum spaßigen Finale keine Langeweile aufkommt. Dabei ist der Titel dank sehr eingängiger und sauber funktionierender Steuerung stets gut bedienbar. Wer will darf sogar die vorkonfigurierten Tastenbelegungen beliebig ändern.
Weniger gut hingegen die KI: Feinde stehen des Öfteren bewegungslos in der Gegend herum, während verbündete Streiter gerne in die eigene Schusslinie rennen.
Koop hui, Versus pfuiNoch mehr Spaß macht das Ganze, wenn man einen bis drei Freunde zur Hand hat. Diese können im
Online-Koop-Modus einem laufenden Spiel stets beitreten – sofern dieses als Koop-Server gestartet wurde.
Praktisch: Der Spieler darf beliebig zwischen Solo- und Koop-Spiel wechseln, ohne seine Savefiles zu verlieren. Alternativ darf der Titel auch im Splitscreen gezockt werden. Hier allerdings nur zu zweit.
Weniger prall sind hingegen die drei Versus-Modi ausgefallen. Von den Entwicklern der genialen TimeSplitters-Reihe erwartet man einfach mehr als mickrige drei Spielmodi, sechs Karten und wenige Konfigurationsmöglichkeiten. Im Deathmatch, Team-Deathmatch sowie Angriffs-Modus geben sich
bis zu 16 Spielern als Mantel oder Rebellen gegenseitig auf die Mütze. Das Ganze macht zwar Spaß, sticht allerdings in keinster Weise aus der Masse an Shootern hervor. Die unterschiedlichen Fähigkeiten der beiden Seiten sorgen zwar auch hier für einige coole Effekte, sind insgesamt allerdings viel zu unausgeglichen, so dass jeder Spieler den Mantel-Soldaten den Vorrang geben wird.