In Sachen "Detail-ismus" legt Polyphony Digital die Latte abermals höher.
Die Stars: Automobile Vor rund zehn Jahren begann die Erfolgsstory von
Polyphony Digital und
Sony in Sachen Rennspiel mit dem ersten
Gran Turismo auf der PSone. Der Rest ist wahrlich Geschichte, denn jeder weitere Titel hat
» Eiger Nordwand = ERLEBNIS PUR! |
sich millionenfach verkauft. Seit dem dritten Ableger betreiben die japanischen Entwickler auch ein Konzept der speziellen Releases: Sei es eine besondere Version mit außergewöhnlichen Prototypen oder eine Art
"Vorspann/Vorgeschmack" (Prolog), welche die Wartezeit auf die später erscheinende voll ausgestattete Fassung verkürzen. Wie der Name schon sagt, handelt es sich im vorliegenden Fall um eben diese
Prologue-Version, die im Prinzip alle Features enthält, jedoch
noch nicht den vollen Umfang besitzt.
Gut 70 Fahrzeuge sowie sechs Rennstrecken (auch rückwärts befahrbar) haben es in
Gran Turismo 5 Prologue geschafft. Nach dem verpflichtenden 5GB-Install auf der PS3-Festplatte (Blu-ray-Version) begrüßt einen das geschmackvoll, wenn auch etwas verschachtelt, gestaltete Hauptmenü. Dieses bietet Zugang zu den Spiel-Modi, die kaum einen Wunsch offen lassen: Wer schnell ein Rennen bestreiten will, wählt
Arcade, Autophile werden die zahlreichen
Events in insgesamt drei Klassen zu schätzen wissen und Mehrspieler freuen sich über einen
Splitscreen- als auch erstmals integrierten schnörkellosen
Online-Modus für bis zu (aufgrund von deutlichem Lagging sehr theoretischen) 16 Teilnehmer.
Nur eine "teure" Demo? Prologue kann ganz normal im Geschäft, als auch via Komplett-Download (minus Videos, die aber online verfügbar sind) im PSN Store erworben werden. Allen Unkenrufen von Fanboys anderer Plattformen
» Kantenflimmern im Rückspiegel. |
zum Trotz handelt es sich aber um
keine "teure" Demo. Zur Klarstellung:
Prologue bietet
genug Spielspaß für etliche Stunden und wird außerdem zum Budget-Preis verkauft. Technisch begeistern die japanischen Entwickler seit jeher mit opulenter Grafik und viel Realismus. Beides ist mittlerweile zum großen Markenzeichen der GT-Reihe geworden.
Grand Turismo 5 Prologue schafft auch in diesem Bereich erfolgreich den Sprung auf die aktuelle Hardware-Generation.
Grafisch beeindrucken vor allem die Replays und die Kamera-Außenansichten, doch auch die
Cockpit-Innenansichten (wenn auch etwas ungewohnt mit vielen Rechtslenkern) wissen zu gefallen und erhöhen abermals den realen Look and Feel des Renngeschehens. In Sachen
"Detail-ismus" legt
Polyphony Digital die Latte abermals höher, beim Realismus
bleiben jedoch die größten Kritikpunkte der Reihe nach wie vor bestehen: Das Schadensmodell beschränkt sich auf Kratzer im Lack,
störendes Kantenflimmern sowie unnatürlicher Schattenfall stechen extrem negativ ins Auge. Selbst Ausritte ins Kiesbett oder Vollbremsungen hinterlassen
keinerlei Spuren auf der extrem steril wirkenden Rennstrecke und verschiedene Wetterlagen kommen auch nicht vor. Hier gibt es klar Handlungsbedarf!
Grandioses Fahrgefühl Die Freude am Fahren stellt sich bei
Prologue erst überraschend spät ein. Da alle Rennen im Events-Modus mit zumindest einem Podiumsplatz abgeschlossen werden müssen, dauert es lange,
» London an einem sonnigen Nachmittag. |
bis man endlich zu den wirklich tollen Autos gelangt. Doch die
bittere Wartezeit lohnt sich: Wer die ersten paar Stunden übersteht, wird so richtig hungrig auf die Boliden und umso wuchtiger kommt
dieses herrliche "GT-Feeling" auf, welches eindrucksvoll beweist, warum die Reihe Absatzzahlen in Millionenhöhe besitzt. Tatsächlich sind
feine Nuancen im Fahrverhalten wahrnehmbar - vor allem mit einem ausgewachsen Force-Feedback-Lenkrad. Hinzu kommen ein äußerst geschmackvoller (leider nicht beeinflussbarer) Soundtrack sowie exzellentes Sounddesign, welches authentische Motoren- und Umgebungsgeräusche vermittelt.
Da Realismus, Fahrverhalten und -hilfen
vor jedem Rennen separat einstellbar sind, können selbst schwierige Passagen, an denen es nicht mangelt, erfolgreich umschifft werden. Es ist trotzdem immer noch sehr einfach, die Rennen zu gewinnen: Zwar verhalten sich die Gegner einen Tick realistischer und machen hie und da Fahrfehler bis hin zu Ausritten in die Botanik, letztendlich kleben sie jedoch immer noch auf der Ideallinie. Aufgrund einer extrem verzeihenden Kollisionsabfrage können sie viel zu billig angerempelt und überholt werden. Freunde von ausgewachsenem Pimping/Customizing sollten vielleicht zuerst eine Proberunde einlegen, denn bei
Gran Turismo ging es noch
nie darum, die Fahrzeuge zu frisieren, darum sollte man sich hier auch keine großen Hoffnungen machen.