Genial-verrücktes Actionspektakel aus Japan, das man einfach lieben muss.
Bayonetta May Cry Der Name von Produzent
Hideki Kamiya zaubert nicht nur
Resident Evil 2-Fans ein Lächeln auf die Lippen. Action-Freunde verdanken ihm die bekannte
Devil May Cry-Reihe, welche als
Grundstein der Stylish Action Games gilt. Aber damit ist noch lange nicht Schluss: Er war auch für
Viewtiful Joe und
Okami verantwortlich. Zwar blieb diesen Games der Erfolg von DMC verwehrt, unter Fans und Kritikern ist jedoch deren
Genialität unbestritten. In Zusammenarbeit mit
Platinum Games und
Sega erschien vor kurzem das neueste Werk unter Kamiya-sans Regie:
Bayonetta.
Das Spielgeschehen entfaltet sich in Vigrid, einem fiktiven Ort in Europa. Die namensgebende Heroin erwacht nach einem 500 Jahre langem Schlaf. Zunächst leidet Bayonetta an Amnesie und erst nach und nach wird die Story via Rückblenden enthüllt. Vor einem halben Jahrtausend fochten gute und böse Kräfte einen Kampf um zwei Artefakte aus, mit denen die Manipulation des geschichtlichen Ablaufs möglich war. Im Verlauf der Handlung lernt die Protagonistin immer mehr ihre vergessenen Kräfte zu nutzen. Als waschechte Hexe kann sie ihre
magischen Haare benutzen, um ihren Gegnern Angst und Schrecken einzuflößen.
Eine - wortwörtliche - haarige Situation Bayonetta ist eine höchst bemerkenswerte Erscheinung. Nicht nur aufgrund ihrer ungewohnten Optik, die eine
Mischung aus Unschuldige-Bibliothekarin-Fantasie und einer in Lack und Leder gekleideten Domina darstellt,
» Stylish. Action. Game. Noch Fragen? |
bleibt sie vom ersten Moment an in Erinnerung. Auch ihre Proportionen wirken ausgefallen: Sie scheint drei Meter groß zu sein und hat übernatürlich lange Arme und Beine. Ihre magischen Haare dienen nicht nur dazu, um ihre überaus kurvige Figur zu verhüllen, sondern stellen zugleich die Quelle ihrer hexerischen Kräfte dar. Damit können besonders schmerzvolle Kombos ausgelöst werden, welche teils bildschirmfüllende Animationssequenzen nach sich ziehen.
Im Verlauf der Geschichte bereist Bayonetta verschiedene Dimensionen auf der Suche nach dem Artefakt und ihrer Rolle im Konflikt der Umbra-Hexen und Lumen-Weisen. Dabei trifft sie auf unzählige mystische Gestalten, die sie aus dem Weg räumen muss. Vom Gameplay her lassen sich die klaren Wurzeln der
Devil May Cry-Reihe nicht leugnen. Bayonetta trägt vier Pistolen, welche auch in der Luft schwebend abgefeuert werden dürfen. Dank umfangreicher Kombos und aufsammelbarer Melee-Waffen bietet die Steuerung eine große Vielfalt an Attacken, wobei aber auf den unteren Schwierigkeitsgraden durchaus
auch Button Mashing zum Ziel führt.
Laut, bunt, groß und ziemlich unsinnigWichtig ist vor allem das Ausweichen: Per R-Trigger können Attacken umgangen und die
Witch Time (eine Verlangsamung der Zeit) kann ausgelöst werden. Innerhalb dieser kurzen Zeitspanne darf
Bayonetta besonders viel Schaden
» Die Dame hat Haare auf den Zähnen. |
anrichten. Für willkommene Auflockerung sorgen sporadische
Fahr- und Flugpassagen. Die Levels verlaufen streng linear und es gibt bis auf wenige kleinere Schlüssel- und Schalterrätsel kaum Ablenkungen von der Daueraction. Es gilt Heerscharen von Gegner zu schnetzeln und dabei Goodies einzusammeln, um dafür später im Shop neue Ausrüstung oder Fähigkeiten zu kaufen. Diese dürfen dann in z.B. gigantischen Bossfights, die sich oftmals über mehrere Bildschirme ziehen, eingesetzt werden.
Bayonetta versucht aber nicht, sich zu irgendeinem Zeitpunkt auch nur im Ansatz mit etwas so Trivialem wie einer durchgängigen Handlung zu belasten. Die
reine Baller- und Prügelaction steht klar im Vordergrund. Fast scheint es so, als ob die Entwickler mit voller Absicht möglichst jede Gelgenheit genutzt haben, um noch mehr Unsinnigkeiten einzubauen. So verwandelt sich der Charakter beim Doppelsprung kurz in einen Schmetterling und überall sprießen bunte Blumen aus dem Boden. Dazu kommen die zahlreichen Animationen von einer sich räkelnden Hexe, deren Haare irgendwelche Bestien hervorspeien.
Kompromisslosigkeit ist eine Tugend Die Technik weiß überaus zu gefallen. Eine flüssige Framerate, die selbst bei unzähligen Gegnern nie in die Knie geht und vor allem die
geschmeidig animierte Bewegungsabläufe überzeugen auf ganzer Linie. Die Ingame-Cutscenes
» Wunderschöne Levels erfreuen das Auge. |
und Animationen besitzen ganz besonderes Flair und sind einfach stilvoll. Auch
das Artwork begeistert: Angefangen bei den Charaktern bis hin zu Kostümen und Umgebungsdesign wirkt alles perfekt aneinander gefügt. Die Detailverliebtheit der Entwickler kennt dabei kaum Grenzen.
Platinum Games musste auf artistischer Seite keinerlei Kompromisse eingehen.
Over the top sind auch die zahlreichen Zwischensequenzen ausgefallen, welche leider wenig zum Verständnis der Story beitragen. Sie sind hübsch, aber irgendwie belanglos. Der sehr temporeich ausgefallene Japano-Jazz-Soundtrack fällt extrem gewöhnungsbedürftig aus. Die Sprachausgabe bewegt sich auf brauchbarem Niveau, wobei die Lippensynchronisation oftmals unschön auffällt.
Die Spieldauer ist mit rund zehn bis zwölf Stunden gut bemessen, da es großen Anreiz zum erneuten Durchspielen gibt. Die zahlzeichen Schwierigkeitsgrade tragen darüber hinaus dazu bei, dass es einem nie an Herausforderungen mangelt.