Die Rückkehr des Peitschenschwingers – mit Kristallschädel und Level-Editor im Gepäck.
Same procedure as every year„Schuster bleib bei deinem Leisten.“ Genau dieses Motto befolgen die Entwickler bei
Traveller’s Tales – seit ihrem Überraschungserfolg mit
LEGO Star Wars veröffentlicht das Studio in regelmäßigen Abständen weitere
» Dr. Jones will es noch einmal wissen. |
Lego-Titel. Über fehlenden Fleiß darf man sich bei den dort angestellten Damen und Herren wahrlich nicht beschweren. Doch diese Strategie hat auch ihren Preis – die Abnutzungserscheinungen der Reihe werden mit jedem Spiel deutlicher, worüber die humorvolle Inszenierung der Titel und vielen versteckten Geheimnisse nicht hinwegtäuschen können.
Auch
Lego Indiana Jones 2: Die neuen Abenteuer weicht kein Stück von der bewährten Formel ab. Erneut steuert man den Peitsche schwingenden Dr. Jones durch
sechs Kapitel, welche Kennern der vier Kinofilme auf Anhieb ein „Aha“-Erlebnis bescheren. Natürlich bestehen alle Schauplätze – wie auch die Figuren – aus Lego-Bausteinen und lassen sich zum Großteil in ihre Einzelteile zerlegen. Als Belohung für diesen „Zerstörungswahn“ winken natürlich Punkte, welche man später in
Boni investiert und immer mehr Geheimnisse freischaltet. Natürlich offerieren die Levels auch zahlreiche
simple Rätsel, bei denen es zumeist Schalter zu aktivieren gilt. Damit keine Langeweile aufkommt gibt es auch die Option, Gegner zu bekämpfen oder mit Fahrzeugen durch die Gegend zu düsen. Selbstverständlich stehen auch zahlreiche Duelle gegen unterschiedlichste Bosse an, die sich nur mit einer bestimmten Strategie bezwingen lassen.
Out of control!Schwierig fällt das Meistern der sechs Kapitel zu keinem Zeitpunkt – kein Wunder, verfügen doch die Lego-Figuren über mehr Leben als eine Katze. Besser gesagt: Sie sind unsterblich. Sollte unerwartet der eigene Charakter das Zeitliche segnen
» An Indy ging ein wahrer Cowboy verloren. |
und in seine Einzelteile zerfallen, so dauert es nur den Bruchteil einer Sekunde bis er wiederaufersteht und sein Abenteuer fortsetzt. Frust sollte damit außen vor bleiben – die Betonung liegt auf „sollte“. Denn leider macht die Steuerung der Gefährte (z.B. Autos, Motorräder oder Kamele) dem Videospieler das virtuelle Leben zur Qual. Warum die Entwickler erneut auf die
misslungene Fahrzeug-Kontrolle der Vorgänger zurückgriffen bleibt wohl auf ewig ihr Geheimnis.
Anstatt schnell und sicher durch die Schauplätze zu rasen, wirkt die Steuerung extrem schwammig und unpräzise. Wagt man es sogar den Rückwärtsgang einzulegen, geht die Motivation absolut in den Keller, da das Gefährt überhaupt keinem Kommando mehr gehorcht und ein Eigenleben entwickelt. Leider hatten die Entwickler die famose Idee
regelmäßig Verfolgungsjagden und Geschicklichkeitspassagen mit dieser eigenwilligen Steuerung zu inszenieren. Zusammen mit der nicht frei drehbaren Kamera verkommen diese Passagen zur reinen Tortur, da es unmöglich ist, auch nur eine Sprungschanze oder ein Ziel anzuvisieren. Schade, denn bei besserer Ausführung würde diese Idee das Geschehen geschickt auflockern und enorm aufwerten, aber so bewirkt sie das genaue Gegenteil.
Zu zweit ist es doch am SchönstenZur Höchstform läuft das Spiel im
Ko-Op-Modus auf. Wer will kann gemeinsam mit einem Freund das gesamte Spiel bestreiten und den Gegnern fleißig einheizen. Erstmals in der Geschichte der Lego-Reihe dürfen sich die
» Getrennte Gemeinsamkeit. |
Mitspieler unabhängig voneinander in den Arealen bewegen. Bei zu großem Abstand zwischen den Charakteren teilt das Spiel einfach den Bildschirm und erlaubt es beiden Figuren ihren eigenen Weg zu gehen. Eine wahrhaft elegante Lösung, welche dem Spielspaß zuträglich ist. Alleine macht
Lego Indiana Jones 2 zwar Spaß – von den Fahrzeug-Passagen einmal abgesehen – aber zu zweit kommt erst die richtige Stimmung beim Spielen auf.
Das liegt natürlich daran, dass der CPU-Begleiter im Einzelspieler-Modus die meiste Zeit nur tatenlos zusieht. Statt Punkte zu sammeln oder eine wirkliche Hilfe bei den Kämpfen zu sein, wirkt dieser oftmals nur lethargisch – auch hier haben die Entwickler kein bisschen nachgebessert. Zum Glück steuert sich das Abenteuer des berühmten Archäologen kinderleicht und
ermöglicht selbst Anfängern den schnellen Einstieg. Egal ob Indy seine Peitsche schwingt, Geräte betätigt, Feinde verprügelt oder über Abgründe hangelt – alles geht leicht und locker von der Hand. Natürlich kommt der Humor während des Abenteuers nicht zu kurz. In
witzigen Zwischensequenzen nehmen die Programmierer geschickt bekannte Filmszenen auf die Schippe und sorgen stets für Erheiterung.
Witzige InszenierungBezüglich der Präsentation gibt sich der Titel wie gewohnt keinerlei Blöße, obwohl das Spiel die technischen Fähigkeiten der Konsole nicht ausreizt. Geschickt fängt der Grafikstil die Stärken der Indiana Jones-Filmreihe und des Lego-Universums ein
» Die Schauplätze wurden liebevoll gestaltet. |
und fügt diese zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. So sorgt das Zerfallen von Objekten und Figuren in ihre Lego-Bausteine stets für ein Schmunzeln, außerdem offerieren alle Figuren einen
großen Wiedererkennungswert. Die Liebe zum Detail merkt man den Charakteren und Arealen wahrlich an. Aber auch die Musikuntermalung gibt zu keinem Zeitpunkt Anlass zur Kritik. Schon beim Spielstart fühlt man sich dank dem bekannten Indiana Jones-Thema sofort mitten im Geschehen und kann es nicht erwarten die Feinde in ihre Bausteinchen zu zerlegen.
Ein Novum für die Lego-Reihe stellt der bereitgestellte
Level-Editor dar. Dieser erlaubt es dem Spieler eigene Schauplätze zu entwerfen bzw. bestehende Levels zu verändern. Trotz einer nützlichen Hilfefunktion fällt das Basteln alles andere als einfach aus. Nur wer Geduld mitbringt wird wirklich kreative Werke erschaffen. Leider besteht zu keinem Zeitpunkt die Möglichkeit, die eigenen Machwerke mit anderen Spielern online zu teilen. Schade, gerade
Little Big Planet für die PlayStation 3 zeigte welch ungeheures Potential diese Idee doch birgt. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Entwickler beim nächsten Lego-Spiel auch das Tauschen der Levels per Internet ermöglichen.