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The Legend of Zelda: Spirit Tracks

» Autor: Georg Gruber
» Datum: 15.01.2010
» Gesamtwertung:
/5
5/5: Pflichtkauf
uneingeschränkte Empfehlung.
Wie wir bewerten
Charmanter Remix von altbekannten Zelda-Elementen weiß abermals zu gefallen.

Nächster Halt: Hyrule Hauptbahnhof
Was war das doch damals im Jahr 2003 eine Aufregung rund um Wind Waker und dessen "kindlichem" Look and Feel. Während viele Fans die neue Optik ganz entzückend fanden, gab es auch Ressentiment unter Core-Gamern, die sich nach einer realistischeren Inkarnation von Link sehnten. Nintendo hat irgendwie beides aus der Mario-Mütze gezaubert. Auf der Wii folgte das deutlich realer aussehende Twilight Princess und für den NDS erschien mit Phantom Hourglass ein Nachfolger, der visuell der Vorlage aus 2003 nachempfunden ist.

Genau ein Jahrhundert nach den Ereignissen in Phantom Hourglass spielt wiederum die Handlung des neuen The Legend of Zelda: Spirit Tracks. Link ist immer noch ein Junge mit lockigem Haar, jedoch hat er sein übliches grünes Gewand mit einer Lokführer-Uniform getauscht. Immerhin ist heute der Tag der letzten Prüfung durch die er die Lizenz zum Zugfahren erhalten soll. Im Gegensatz zu den Vorgängern legt Link größere Distanzen nicht per Schiff oder treuem Ross zurück. Er reist auf einem magischen Schienennetz (Spirit Tracks), welches das gesamte Königreich von Hyrule durchzieht und Städte sowie Ortschaften von Interesse miteinander verbindet.

Tschu-Tschu: Do the locomotion
Mittels Karte legt man einen grundsätzlichen Fahrplan fest, der automatisch befolgt wird. Bei jeder Abzweigung können die Weichen jedoch auch manuell verstellt werden, um z.B. Gegnern oder entgegen kommenden Gefährten
» Auch knuddelige Tiere haben nichts auf Schienen verloren.
zu entwischen. Im Prinzip ist es eine clevere Alternative zur Seefahrt. Die möglichen Wege sind zwar vielfältig, aber doch klar vorgegeben, um unnötige Irrfahrten und Navigationsprobleme zu verhindern. Darüber hinaus lassen sich per am Zug montierter Kanone Feinde oder Hindernisse zerstören. Auf die Schienen verirrte Tiere vertreibt man per Pfeifsignal, damit es zu keiner Kollision kommt.

Die Zugfahrmechanik mag auf den ersten Blick recht banal wirken und nach längerer Spielzeit macht sich auch ein wenig Monotonie breit. Es ist jedoch unglaublich charmant als Lokführer durch die Gegend zu brausen, an der Leine zu ziehen um die Zugpfeife zu betätigen und dabei auch noch per Schalthebel eine Notbremsung auszulösen. Der erneut gelungene Soundtrack trägt dazu bei, dass einem wenigstens nicht zu fad wird auf längeren Reisen. Denn Link muss schon öfters kreuz und quer und dann wieder zurück durch Hyrule tingeln. Phasenweise hat es Nintendo wirklich zu gut gemeint und das Backtrackung übertrieben. Weniger wäre hier wohl wirklich mehr gewesen.

Link und Zelda sitzen gemeinsam im Zug
Erstmals geht Link nicht alleine auf das große Abenteuer, sondern die Prinzessin steht ihm mit Rat und Tat zur Seite ... auch wenn sie nur geistig anwesend ist. Wie bitte?! Dazu eine kurze Erklärung zur Story von Spirit Tracks:
» Gemeinsam lassen sich Rätsel besser knacken.
Gerade als Link sein Lokführer-Patent von Zelda überreicht bekommt, ziehen auch schon dunkle Wolken am Horizont auf. Ein Sturm fegt einen Teil des Schienennetzes hinweg. Da die magischen Schienen das Gleichgewicht von Glück und Liebe im Königreich bislang erhalten haben, droht nun großer Schaden. Der Kanzler des Königsreich stellt sich dabei als der ganz üble Fadenzieher heraus und ergreift vom Körper den bildhübschen Prinzess Besitz ... was dieser überhaupt nicht zusagt!

Zelda ist fortan nur mehr für Link und ganz bestimmte Personen als Geist sichtbar. Dieser geniale Storykniff ermöglicht, dass die Prinzessin gemeinsam mit Link das Abenteuer bestreitet, um erstens ihren Körper zurück zu gewinnen und zweitens das Königreich vor sicherer Zerstörung zu bewahren. Wer nun glaubt, dass dies nur einen billiger Ersatz für ein Navi darstellt, irrt jedoch gewaltig. Zelda übernimmt diverse Aufgaben wie z.B. Steuerung von Rittern oder hilft bei Schalterrätseln. Das Beste daran ist der sprühende Humor, der aus den witzigen Dialogen entsteht. Denn erstmals muss auch die Prinzessin mitanpacken und kann sich nicht im Schneewittchenschlaf ausruhen, bis der Held die Heraklesaufgaben gelöst hat.

Die Zelda-Formel im Remix
Dabei gelang den Entwicklern eine gelungene Mischung von altbekannten Spielelementen. Zelda-Fans werden oftmals schmunzeln müssen, wenn sie gewisse Szenen aus den unzähligen Vorgängern erkennen, aber irgendwie
» Die beschreibbare Karte sorgt für Überblick.
wirkt doch alles noch immer frisch und anders oder neu. Klar gibt es immer noch die zahlreichen Tempel und Dungeons und ein mit vielen bekannten Personen bevölkertes Königreich, das für 20 bis 30 Stunden Spieldauer sorgt. Auch das ganze Arsenal an Waffen und Gegenständen kennt man wahrscheinlich aus den Vorgängern, doch auch einige wichtige Neuerungen haben es ins Spiel geschafft.

Allen voran gibt es die Spirit Flute, welche per Mikrofon Töne fabriziert und als zentraler Schlüssel für zahlreiche Musik-Rätsel dient. Die Steuerung wurde im Detail verfeinert, bleibt aber grundsätzlich wie in Phantom Hourglass. Auch diesmal wird Link ausschließlich per Stylus durch die Landschaft navigiert. Durch Antippen lassen sich Gegner attackieren und eine Kreisbewegung löst einen großen Schwerthieb aus. Spezialwaffen wie der Bumerang oder ein per Mikro auszulösender Wirbelwind können auch mehrere Ziele oder Gaswolken zerstören. Einzig etwas rätselhaft bleibt die Tatsache, dass man Link nicht auch per Steuerkreuz bewegen kann.

Dampflok-Grafik, dafür Hochgeschwindigkeits-Soundtrack
Grafisch macht Spirit Tracks einen soliden Eindruck. Allerdings scheint es so, als habe sich Nintendo etwas zu sehr auf den eigenen Lorbeeren ausgeruht. Unterschiede im Design bzw. den Texturen zum 2007
» Hoffentlich sind alle Weichen korrekt gestellt.
erschienenen Phantom Hourglass sucht man leider vergebens. Aufgrund vieler irgendwie altbekannter Charaktere überkommt einem schon ein leichtes "Hatten wir das nicht schon im letzten Dungeon auch?"-Gefühl. Verwunderlich ist auch, dass es zwar einen kurzweiligen Mehrspieler-Modus für WiFi (nur ein Modul benötigt!) gibt, der im Vorgänger enthaltene Online-Modus jedoch ersatzlos gestrichen wurde. Das Artwork und die Mimik sind dafür abermals gelungen und trösten über manch matschigen Polygonhaufen hinweg.

Der Soundtrack macht gute Laune und mehr als einmal ertappt man sich beim heiteren Mitpfeifen - und das nicht nur weil wirklich ins Mikro geblasen werden muss, um die Spirit Flute auszulösen! Langatmige Zugfahrten macht die träumerische Musikuntermalung vielleicht nicht ganz wett, aber rundherum bleibt Spirit Tracks stets auf hohem akustischem Niveau. Sprachausgabe gibt es Zelda-serientypisch auch diesmal keine. Bis auf einige Lach-, Erschreck- und Freudenlaute dringt kein Wort aus den Stereolautsprechern. Trotzdem transportiert dieser NDS-Titel viel mehr Emotionalität, Stimmung und Atmosphäre, als man zuerst wahrnimmt.
Pro
Charmante Präsentation
Witzige Dialoge
Gelungene Variationen von Serien-typischen Elementen
Großer Umfang
Noch besserer Einsatz vom Stylus
Mehrspieler-Modus mit einem Modul
Contra
Keine sonstigen Online-Funktionalitäten
Sehr lineares Gameplay mit viel Backtracking
Wenig wirklich Neues
Keine grafische Weiterentwicklung
Fazit
The Legend of Zelda: Spirit Tracks stellt eine klare Fortführung der Konzepte von Phantom Hourglass dar und spielt sich daher auch sehr ähnlich. Für Kenner der Serie bietet Nintendo zahlreiche Schmankerl, indem bekannte Elemente mit einem neuen Twist versehen werden. Vor allem der Umfang mit gut 20 bis 30 Stunden Spielzeit und die witzigen Dialoge überzeugen auf ganzer Linie. Die Idee, dass Zelda mit Link zusammen die Abenteuer bestreitet, ist schlichtweg genial und trägt enorm zum hohen Spielspaß bei. Es hat jedoch schon einige Stunden gedauert, bis sich bei mir das gute alte Zelda-Feeling einstellen wollte. Denn der teils gemächliche Spielablauf und für meinen Geschmack etwas gar viel Backtracking stoßen nicht auf meine Gegenliebe. Positiv fallen hingegen Verbesserungen an der Steuerung auf - per Stylus hat man alles stets gut im Griff. Dafür vermisse ich klare Fortschritte bei der Grafik, die trotz charmantem Artwork einfach langsam in die Jahre kommt. Für den nächsten Zelda-Ableger muss sich Nintendo wirklich was Neues einfallen lassen. Das ist allerdings Nitpicking an einem ansonsten genialen NDS-Titel, den ich jedem Adventure-Fan wärmstens empfehle: Pflichtkauf!
Infos
Erhältlich für
Genre
Action
   Action-Adventure
Publisher
Nintendo
Entwickler
Nintendo
Website
-
Release
11. Dezember 2009
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User-Bewertung
85
2 Bewertungen
0 Reviews
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