Charmanter Remix von altbekannten Zelda-Elementen weiß abermals zu gefallen.
Nächster Halt: Hyrule Hauptbahnhof Was war das doch damals im Jahr 2003 eine Aufregung rund um
Wind Waker und dessen "kindlichem" Look and Feel. Während viele Fans die neue Optik ganz entzückend fanden, gab es auch Ressentiment unter Core-Gamern, die sich nach einer realistischeren Inkarnation von Link sehnten.
Nintendo hat irgendwie
beides aus der Mario-Mütze gezaubert. Auf der Wii folgte das deutlich realer aussehende
Twilight Princess und für den NDS erschien mit
Phantom Hourglass ein Nachfolger, der visuell der Vorlage aus 2003 nachempfunden ist.
Genau ein Jahrhundert nach den Ereignissen in
Phantom Hourglass spielt wiederum die Handlung des neuen
The Legend of Zelda: Spirit Tracks. Link ist immer noch ein Junge mit lockigem Haar, jedoch hat er sein übliches
grünes Gewand mit einer Lokführer-Uniform getauscht. Immerhin ist heute der Tag der letzten Prüfung durch die er die Lizenz zum Zugfahren erhalten soll. Im Gegensatz zu den Vorgängern legt Link größere Distanzen nicht per Schiff oder treuem Ross zurück. Er reist auf einem
magischen Schienennetz (Spirit Tracks), welches das gesamte Königreich von Hyrule durchzieht und Städte sowie Ortschaften von Interesse miteinander verbindet.
Tschu-Tschu: Do the locomotion Mittels Karte legt man einen grundsätzlichen Fahrplan fest, der automatisch befolgt wird. Bei jeder Abzweigung können
die Weichen jedoch auch manuell verstellt werden, um z.B. Gegnern oder entgegen kommenden Gefährten
» Auch knuddelige Tiere haben nichts auf Schienen verloren. |
zu entwischen. Im Prinzip ist es
eine clevere Alternative zur Seefahrt. Die möglichen Wege sind zwar vielfältig, aber doch klar vorgegeben, um unnötige Irrfahrten und Navigationsprobleme zu verhindern. Darüber hinaus lassen sich per am Zug montierter Kanone Feinde oder Hindernisse zerstören. Auf die Schienen verirrte Tiere vertreibt man
per Pfeifsignal, damit es zu keiner Kollision kommt.
Die Zugfahrmechanik mag auf den ersten Blick recht banal wirken und nach längerer Spielzeit macht sich auch ein wenig Monotonie breit. Es ist jedoch
unglaublich charmant als Lokführer durch die Gegend zu brausen, an der Leine zu ziehen um die Zugpfeife zu betätigen und dabei auch noch per Schalthebel eine Notbremsung auszulösen. Der erneut gelungene Soundtrack trägt dazu bei, dass einem wenigstens nicht zu fad wird auf längeren Reisen. Denn Link muss schon
öfters kreuz und quer und dann wieder zurück durch Hyrule tingeln. Phasenweise hat es
Nintendo wirklich zu gut gemeint und das Backtrackung übertrieben. Weniger wäre hier wohl wirklich mehr gewesen.
Link und Zelda sitzen gemeinsam im Zug Erstmals geht Link nicht alleine auf das große Abenteuer,
sondern die Prinzessin steht ihm mit Rat und Tat zur Seite ... auch wenn sie nur geistig anwesend ist. Wie bitte?! Dazu eine kurze Erklärung zur Story von
Spirit Tracks:
» Gemeinsam lassen sich Rätsel besser knacken. |
Gerade als Link sein Lokführer-Patent von Zelda überreicht bekommt, ziehen auch schon dunkle Wolken am Horizont auf.
Ein Sturm fegt einen Teil des Schienennetzes hinweg. Da die magischen Schienen das Gleichgewicht von Glück und Liebe im Königreich bislang erhalten haben, droht nun großer Schaden. Der Kanzler des Königsreich stellt sich dabei als der ganz üble Fadenzieher heraus und
ergreift vom Körper den bildhübschen Prinzess Besitz ... was dieser überhaupt nicht zusagt!
Zelda ist fortan nur mehr für Link und ganz bestimmte Personen
als Geist sichtbar. Dieser geniale Storykniff ermöglicht, dass die Prinzessin gemeinsam mit Link das Abenteuer bestreitet, um erstens ihren Körper zurück zu gewinnen und zweitens das Königreich vor sicherer Zerstörung zu bewahren. Wer nun glaubt, dass dies nur einen billiger Ersatz für ein Navi darstellt, irrt jedoch gewaltig. Zelda übernimmt diverse Aufgaben wie z.B. Steuerung von Rittern oder hilft bei Schalterrätseln. Das Beste daran ist der
sprühende Humor, der aus den witzigen Dialogen entsteht. Denn erstmals muss auch die Prinzessin mitanpacken und kann sich nicht im Schneewittchenschlaf ausruhen, bis der Held die Heraklesaufgaben gelöst hat.
Die Zelda-Formel im Remix Dabei gelang den Entwicklern eine gelungene Mischung von altbekannten Spielelementen. Zelda-Fans werden oftmals schmunzeln müssen, wenn sie gewisse Szenen aus den unzähligen Vorgängern erkennen, aber irgendwie
» Die beschreibbare Karte sorgt für Überblick. |
wirkt doch alles
noch immer frisch und anders oder neu. Klar gibt es immer noch die zahlreichen Tempel und Dungeons und ein mit vielen bekannten Personen bevölkertes Königreich, das
für 20 bis 30 Stunden Spieldauer sorgt. Auch das ganze Arsenal an Waffen und Gegenständen kennt man wahrscheinlich aus den Vorgängern, doch auch einige wichtige Neuerungen haben es ins Spiel geschafft.
Allen voran gibt es die
Spirit Flute, welche per Mikrofon Töne fabriziert und als zentraler Schlüssel für zahlreiche Musik-Rätsel dient. Die Steuerung wurde im Detail verfeinert, bleibt aber grundsätzlich wie in
Phantom Hourglass. Auch diesmal
wird Link ausschließlich per Stylus durch die Landschaft navigiert. Durch Antippen lassen sich Gegner attackieren und eine Kreisbewegung löst einen großen Schwerthieb aus. Spezialwaffen wie der Bumerang oder ein per Mikro auszulösender Wirbelwind können auch mehrere Ziele oder Gaswolken zerstören. Einzig etwas rätselhaft bleibt die Tatsache, dass man Link nicht auch per Steuerkreuz bewegen kann.
Dampflok-Grafik, dafür Hochgeschwindigkeits-Soundtrack Grafisch macht
Spirit Tracks einen soliden Eindruck. Allerdings scheint es so, als habe sich
Nintendo etwas zu sehr auf den eigenen Lorbeeren ausgeruht. Unterschiede im Design bzw. den Texturen zum 2007
» Hoffentlich sind alle Weichen korrekt gestellt. |
erschienenen
Phantom Hourglass sucht man leider vergebens. Aufgrund vieler irgendwie altbekannter Charaktere überkommt einem schon ein leichtes
"Hatten wir das nicht schon im letzten Dungeon auch?"-Gefühl. Verwunderlich ist auch, dass es zwar einen kurzweiligen Mehrspieler-Modus für WiFi (nur ein Modul benötigt!) gibt, der im Vorgänger enthaltene Online-Modus jedoch ersatzlos gestrichen wurde. Das
Artwork und die Mimik sind dafür abermals gelungen und trösten über manch matschigen Polygonhaufen hinweg.
Der Soundtrack macht gute Laune und mehr als einmal ertappt man sich beim heiteren Mitpfeifen - und das nicht nur weil wirklich ins Mikro geblasen werden muss, um die Spirit Flute auszulösen! Langatmige Zugfahrten macht die träumerische Musikuntermalung vielleicht nicht ganz wett, aber rundherum bleibt
Spirit Tracks stets auf hohem akustischem Niveau. Sprachausgabe gibt es Zelda-serientypisch auch diesmal keine. Bis auf einige Lach-, Erschreck- und Freudenlaute dringt kein Wort aus den Stereolautsprechern. Trotzdem transportiert dieser NDS-Titel
viel mehr Emotionalität, Stimmung und Atmosphäre, als man zuerst wahrnimmt.